SYNOPSIS

Sehen Sie mich an... Ja, ja, Sie meine ich... Sehen Sie mich genauer an... Gefalle ich Ihnen? Spüren Sie meine Anmut, meinen feinen Charme, meine stürmische Lebensfreude? Sie finden meine überirdische Schönheit aufregend? Mein inneres Leuchten? Was glotzen Sie mich denn so an? Sie scheinen nicht zu begreifen, mit wem Sie es zu tun haben... Mit einem Auto...? Von wegen! Auto - dieses Wort sagt nichts! Es passt überhaupt nicht zu mir. Und genau darüber will ich mit Ihnen sprechen... In Ihren Augen sehe ich Überheblichkeit... Schon gut, Sie sagen, dass Sie bessere Autos gesehen haben... Denken Sie das wirklich? Was die Mechanik angeht, da gibt es zweifellos raffiniertere Konstruktionen, beeindruckendere Proportionen und elegantere Formen. Aber was ist schon die Mechanik im Vergleich zu meiner Bestimmung? Entschuldigen Sie, da Sie offenbar nicht verstehen, muss ich mich etwas geschwollen ausdrücken. Ach nein, ich bin einfach aufgeregt. Ich würde Ihnen gerne meine Geheimnisse anvertrauen und beginne mich anzupreisen wie ein Idiot, während ich doch sowieso vollkommen unbezahlbar bin. Na bitte, das freut mich, Sie lachen. Dabei sind meine Kotflügel mehr als einfach nur Flügel, und meine Scheinwerfer strahlen heller als die Sterne. Verstehen Sie endlich, dass ich ein historisches Paradoxon bin, eine ideologische Denksportaufgabe. In Russland ist nicht nur der Dichter „mehr als ein Dichter", wie Jewgenij Jewtuschenko einmal gesagt hat. In Russland ist auch das Auto mehr als nur ein Auto. Es ist ein beseeltes Wesen. Ich bin ein Fetisch. Um mich zu kaufen, war es zu Sowjetzeiten nicht genug, Geld zu haben. Ich wurde zugeteilt, und zwar nur den Besten, verliehen wie ein Orden und überreicht wie ein kostbares Schmuckstück. Ich denke nostalgisch an diese Zeit zurück. Nein, ich bin keine Kommunistin, aber damals war ich eine Königin, und später, als massenhaft Limousinen für Gangster ins Land kamen, als alles möglich wurde, habe ich natürlich ein wenig verloren. Aber ich habe nicht kapituliert. Bis heute nicht.